Angedacht

Liebe Freunde der Kirchengemeinde,

auch wenn weiterhin die Kontaktregeln wegen dem Coronavirus gelten, feiern wir wieder Gottesdienste. Folgende Maßnahmen müssen beachtet werden...

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn;

denn wenn ́s ihr wohlgeht, so geht ́s auch euch wohl.

Jeremia 29,7

Dieser Aufruf erreicht Menschen inmitten einer sehr herausfordernden und leidvollen Lebenssituation. „Suchet der Stadt Bestes!“ Das ist eine Aufgabe, die genau diese Menschen in ihrer eigenen Stadt, in Jerusalem, gerne und gut erfüllen konnten. Dort hatten sie die wichtigen Positionen besetzt, Verantwortung übernommen, Menschen geführt, die Stadt aufgebaut, ihre Kompetenzen eingebracht, Karriere gemacht. Und jetzt sitzen sie mit dem König und seiner Mutter, einigen Ältesten, Priestern und Propheten, mit der Jerusalemer Führungsschicht und den Menschen, die zum Aufbau einer Stadt wichtig sind, der Stadtverwaltung, den Finanzfachleuten, Schmiedemeistern und Zimmerleuten, hier in der Fremde. Nun leben sie in Babylonien mitten unter ihren Feinden; besiegt und weggeführt, ohnmächtig und unfähig zu handeln. Sie schauen zurück und trauern, und sie fragen sich:

Wie lange noch? Wann können wir wieder zurückkehren? Wann ist das hier endlich vorüber?

Einige sagen: Ja, schon bald wird Gott euch aus dieser Situation herausführen. Er wird euch zurückbringen. Anders Jeremia. Er macht keine falschen Versprechungen. Er sagt, was wahr ist und weh tut. Aber er blickt auch in die Zukunft. So schnell wird diese Situation nicht enden, macht er deutlich. Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Es wird kein schnelles Ende geben, keine baldige Rückkehr. Richtet euch ein, baut Häuser, legt Gärten an, bekommt Kinder, bringt euch hier in dieser Stadt ein. Es wird lange dauern, mehrere Generationen werden hier leben. Das sind keine gefälligen Worte, das wäre Grund genug zu Resignation und Rückzug. Aber Jeremia eröffnet eine Perspektive: Die Zeit in Babylonien wird keine verlorene Zeit sein. Gott ist die Situation nicht entglitten. Auch wenn das Volk besiegt ist und ins Exil geführt wurde, Gott ist nicht besiegt. Er ist der Handelnde. „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen...“ Jeremia führt dem Volk die guten Gedanken und Absichten Gottes vor Augen: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“

In Krisenzeiten geht der Blick oft zurück und es wird nach der Ursache gefragt oder der Blick geht weit nach vorn und es scheint, dass ein neues Engagement erst wieder möglich ist, wenn die schwierige Zeit der Krise vorüber ist. Mit dem Blick, dass Gott die Situation in seinen Händen hält und dass er eine Zukunft zusagt, kann man im Hier und Jetzt handeln. Baut Häuser, legt Gärten an, bekommt Kinder, sorgt dafür, dass das Leben weiter geht.

Das Leben wird in der Krise gestaltet, nicht erst danach. Und Schritt für Schritt kann so neues Vertrauen wachsen. Denn das ist die eigentliche Herausforderung. In solch einer Situation kommen auch Zweifel: Wie ist Gott in dieser Krise zu verstehen? Hat er uns verlassen? Ist auch er durch einen Feind besiegt worden, also zu schwach zu helfen? Wie können wir das verstehen? Diese Fragen bewegten die Menschen damals im Exil und auch in der Krise der heutigen Zeit.

So eine Zeit kann das persönliche Gottesbild verändern. Auch der liebende Gott kann mir fremd und abwesend erscheinen. Unerklärbar wirken manche menschliche Schicksale in dieser Zeit.

Und doch will ich nicht davon ablassen, dass Gott da ist. Er hält das Leben und die Geschichte und die Zukunft in seiner Hand. Und mit dieser Zuversicht kann ich trotz aller Unsicherheit handeln.

Ihr Pfarrrer Popp


Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Markus 9,24

Songs zu den Jahreslosungen: http://www.ways-music.de/home/