Angedacht

Jesus Christus spricht: „Es ist vollbracht.“ Johannes 19,30

Es geht eine unheimliche Faszination von Blitzen aus. Eine unglaubliche Kraft wird in ihnen entfesselt. Sehe ich einen Blitz, dann weiß ich aber auch, der fast noch erschreckendere Teil wird noch folgen! Einundzwanzig... Zweiundzwanzig... Dreiundzwanzig... zählen dann viele die Sekunden bis der unweigerliche Donner eintritt.

Multipliziert man das Ergebnis mit 3,5, kann man errechnen, wie weit das beobachtete Gewitter vom eigenen Standpunkt entfernt ist. Plötzlich sind alle Gedanken auf das Zählen fokussiert, der Blick bleibt gespannt auf den Ort gerichtet, an dem der Blitz niedergegangen ist. Solche Blitze begegnen häufiger im Leben. Eine Prüfung wurde geschrieben und nun warten alle Sinne auf das Ergebnis. Der Arzt hat einen Verdacht geäußert und nun wartet ein Teil auf die Ergebnisse aus dem Labor. Eine Bewerbung wurde eingereicht und jetzt wartet und fiebert man der E-Mail entgegen. Und so wird das Leben zum Wartestand, gefesselt und gebannt von diesem fast schon erlösenden Schrecken. Der Monat März treibt dieses Gefühl des Wartens diesmal auf die Spitze. Er endet nämlich mit Karsamstag. Die Fastenzeit kommt in ihm zum Ende, doch die Erlösung fehlt. Da ist es verwunderlich, dass das Wort Christi, das über diesem Monat steht, eine andere Sprache spricht. Es lautet „Es ist vollbracht.“ und das am Karfreitag. Noch bevor der Endakkord erklingt, sagt Christus „Es ist vollbracht.“ Damit reißt er uns heraus aus der Erstarrung, aus dem angespannten Warten auf den Donner. Der Blitz von Golgatha ist niedergegangen und ging vorüber, das zu Tuende ist getan und was nun kommt ist ein Leben unter dem Versprechen: „Was zu tun war, hat Gott getan!“ Welche Blitze auch niedergehen mögen, wie sehr uns der Donner auch erschrecken mag, er wird uns nicht von Gott trennen können. Ich weiß nicht, wie weit Sie beim Gewitter zählen, ob bis dreißig oder gar bis vierzig, bevor sich dann die verdutzte Erkenntnis einstellt, dass kein Donner mehr kommen wird, das Unwetter nur ein Wetterleuchten sein wird. „Es ist vollbracht“, spricht Jesus auf Golgatha und verspricht: Es wird kein Schrecken mehr folgen, sondern ein neuer Morgen mit Gott.

Vikar Sebastian Roth


Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Offenbarung 21,6 (L)

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