Angedacht

Wir alle kennen diese Situation: Zwei treffen sich und prompt ertönt die obligatorische Frage „Na, wie geht‘s?“ Und dann die auch schon fast stereotype Antwort „passt “ oder etwas modifizierter „alles im grünen Bereich.“ Dann zieht jeder wieder seiner Wege. Oft frage ich mich nach solch einer kurzen Begegnung „Ist wirklich alles gut?“ oder auch „Wie viele Schattierungen von grün gibt es eigentlich?“ Doch was soll man dem oder der Fragenden auch auf die Schnelle antworten? Ist da der Raum, davon zu erzählen, wie es mir wirklich geht, was für Sorgen und Ängste mich quälen? – und möchte ich das in diesem Moment überhaupt? Manchmal, da fehlen mir ja selbst die Worte, da ist das, was in mir brodelt, so verworren, so wenig greifbar und doch so maßgebend auf meine Stimmung, auf meinen Tagesablauf.

All mein Sehnen, Herr, liegt offen vor dir, mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Dieser eine Vers aus dem 39. Psalm lässt mich aufatmen, er ist für mich irgendwie so etwas wie die Frage „Wie geht es dir?“. Doch ich muss nicht mit „passt “ oder „alles im grünen Bereich“ antworten und über den Rest den Mantel des Schweigens breiten, sondern hier ist jemand, der fragt und der weiß. Nicht im Sinne von: „Ich weiß alles über dich: Du kommst mir nicht aus, bist mir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Selbst deine innersten Gedanken, Gefühle liegen vor mir wie ein aufgeschlagenes Buch.“ Sondern im Sinne von: „Vertraue mir, ich kenne dich, ich weiß, wie es um dich steht.

Ich kenne deine Sehnsucht, ich höre dein Seufzen, das, was in dir brodelt, was dich umtreibt. Ich kenne dich und ich stehe zu dir.“

So, wie wir es in der Taufe jedem Täufling zusprechen. Gott dein himmlischer Vater kennt dich, er begleite dich und stehe dir bei. 

Ihre Pfarrerin Almut Heineken 


Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Offenbarung 21,6 (L)

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