Angedacht

Liebe Freunde der Kirchengemeinde,

auch wenn weiterhin die Kontaktregeln wegen dem Coronavirus gelten, feiern wir wieder Gottesdienste. Folgende Maßnahmen müssen beachtet werden...

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Jeremia 31,9

Ein Vers, wie geschaffen, den Beruf eines Pfarrers oder einer Pfarrerin zu beschreiben. Das war mein erster Impuls, als ich den Monatsspruch für den November gelesen habe. Der Grund dürften wohl meine Erfahrungen aus dem September sein. Denn ich habe im September Herrn Pfr. Popp als Praktikant begleiten dürfen und mir das Berufsbild des Pfarrers zeigen lassen. Ich erlebte in der Zeit viele weinende Menschen, weil sie zum Beispiel einen Angehörigen verloren hatten, sowohl in Trauergesprächen als auch auf Beerdigungen. Diese Menschen wurden durch den Pfarrer getröstet und der Verstorbene und seine Angehörigen wurden vom Pfarrer auf dem letzten Weg begleitet und geleitet. Eigentlich entstammt der Vers dem sog. Trostbüchlein für das Volk Israel, das in der babylonischen Gefangenschaft lebt. Es ist Trostspender für das gebeutelte Volk. Es muss sich erst - manche werden sich an die Andacht aus dem Oktober erinnern - in Babylon eingewöhnen, um dort ein neues Leben aufzubauen. Und doch ist das 31. Kapitel von Jeremia bei Luther mit der Überschrift „Die Heimkehr“ überschrieben. Es ist ein Kapitel der Bestärkung, dass diese Zeit der Gefangenschaft vorbeigehen und das Volk in seine Heimat zurückkehren wird. Vor allem zeigt es, dass Gott sie nicht verlassen hat. Das Kapitel steuert nämlich auf den neuen Bund mit Gott zu, also dem Versprechen Gottes an sein Volk, es nie zu verlassen. Das ist der ultimative Trostspender. Mehr geht nicht. Gott bestätigt sein Versprechen an sein auserwähltes Volk.

Der persönliche Trost kommt aber in unserem Vers nicht zu kurz. Die Weinenden sollen kommen und getröstet werden. D.h. jeder einzelne darf kommen und er wird getröstet werden. Und mehr noch. Die Gemeinschaft, in den voran gegangenen Versen werden besonders die Schwachen hervorgehoben, wird von Gott geleitet. Er wird sie aus dem Exil zurück in ihre Heimat führen.

Eine schöne Zusage von Gott: Ich verspreche dir, ich bin bei dir und ich werde dich nie verlassen. In schweren Zeiten werde ich dir eine Hilfe sein und dich aus diesen herausführen.

Vor allem in unserer heutigen Zeit, die geprägt ist durch Unsicherheiten im Blick auf die Zukunft oder den Beruf, durch Verfolgung von Minderheiten, Ausgrenzung und Hass.

Da geht so ein Versprechen runter wie Öl. Der Trost, dass es besser werden wird. Dass dies kein leeres Versprechen ist, habe ich in meinem Monat in Ihrer Gemeinde gemerkt. Eigentlich wollte ich schon im März und April für vier Wochen ihre Gemeinde besuchen, doch daraus wurde bekanntlich nichts. So startete ich im September und merkte schnell, dass diese schwere Zeit der Einschränkungen nicht spurlos an der Gemeinde vorbeiging. Aber anstatt nur das Negative zu sehen, erwuchsen mit der Zeit neue Ideen, wie das Gemeindeleben unter erschwerten Bedingungen funktionieren kann und wie auch Menschen aus Risikogruppen nicht ausgeschlossen werden, sondern teilhaben können. So war es möglich die Konfirmation, das Abendmahl zu feiern, die Kirche zu öffnen oder auch verschiedene Gottesdienste im Internet zu streamen.

Also genau das Versprechen von Gott zu erleben.

Natürlich besteht der Pfarrberuf aus weit mehr als nur Beerdigungen und Trauer. Ich finde es jedoch eine beruhigende und schöne Vorstellung, dass es neben dem Versprechen Gottes auch Menschen und Orte gibt, die weinende und hilfesuchende Menschen aufsuchen können, wenn sie Trost und Hilfe benötigen.

In diesem Sinne möchte ich mich bei Ihnen für die schöne Zeit, die vielen Erfahrungen und die Offenheit bedanken. Ich wünsche Ihnen und euch alles Gute und Gottes Segen.

Ihr Christoph Müller. Theologiestudent und Absolvent eines Gemeindepraktikums in der Erlöserkirche


Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Markus 9,24

Songs zu den Jahreslosungen: http://www.ways-music.de/home/