Angedacht

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Prediger 3, 11

 

Liebe Eltern, gebt nicht auf!

Verführt eure Kleinen zum Spaziergang - wenn nötig mit Bestechung („Wenn du mit uns gehst, gibt ́s in der Waldschänke ein Eis“). Ich bin eine von denen, die ausschließlich bestochen mitspazierten. Sonntags zu Hause hocken und fernzusehen, war nun mal bequemer, als mit den Alten durch den Wald zu stapfen.

Doch als ich klein war, lockte mich das Eis. Und auf dem Weg dahin zeigten mir meine Eltern wie glatt sich Kastanien anfühlen, wie Brombeeren vom Busch schmecken, wie man mit Schafen auf dem Deich reden kann. Wir haben im Wald Verstecken gespielt, altes Brot an Kühe auf der Weide verfüttert und an einem frisch geschlagenenen Holzstoß geschnuppert. Klingt nach verklärter Kindheitserinnerung? Ist es auch. Zumindest, wenn ich mich an mein oft miesepetriges Spaziergeh-Gesicht erinnere. Trotzdem zehre ich heute von schönen Erinnerungen.

Damals begann zu wachsen, was heute liebe Gewohnheit ist. Sonntags gehe ich spazieren. Auch allein, wenn ́s sein muss. Meiner Figur tut ́s gut. Aber auch meinem Kopf, wenn ein frischer Wind durchbläst. Ab und an bringe ich eine Kastanie mit. Und mit den Schafen rede ich auch. Ich gehe für mich und erlebe Schöpfung. Hektik und Sorgen verlaufen sich. Und manchmal erlebe ich im Wald oder auf dem Deich, dass sich „wortlos gerufen, Göttliches einschifft.“

Nun ist es so weit, dass mein eigenes Kind bald mitspazieren kann - und muss. Die paar Eis sind es mir wert. Vielleicht wird aus einem kleinen Bewegungsmuffel dann ja auch irgendwann mal ein Spaziergehfahn.

 

nach Iris Macke aus „Sonntags“ Verlag Andere Zeiten 


Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Offenbarung 21,6 (L)

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