Angedacht

„Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken“

Brief an die Hebräer 10,24

Himmel und Hölle

Eine fromme Frau bittet Gott, den Himmel und die Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubt es ihr und führt sie in einen großen Raum. In seiner Mitte steht auf dem Feuer ein Topf mit einem kösltichen Gericht. Rundherum sitzen Leute mit langen Löffeln, alle stochern in dem Topf, aber sie sehen blass aus, mager und elend. So sehr sie sich auch bemühen, die Stiele der Löffel sind zu lang. Sie können das herrliche Essen nicht in den Mund bringen.

„Was für ein seltsamer Ort“, sagt die Frau. „Das“, antwortet Gott, „ist die Hölle.“

Sie gehen in einen zweiten Raum, der genauso aussieht wie der Erste. Auch hier brennt ein Feuer, und darüber kocht ein köstliches Essen. Leute sitzen rundherum, auch sie haben Löffel mit langen Stielen, aber sie sind alle gut genährt und scherzen. Einer gibt dem anderen mit seinem langen Löffel zu essen.

„Und dies“, sagt Gott, „ist der Himmel.“ Diese Geschichte ist ein Gleichnis für unser irdisches “Hölle und Himmel”. Wir können die Hölle im Zusammenleben erleben: wenn Nachbarn nur noch über den Rechtsanwalt kommunizieren, wenn (Ehe-) Partner streiten und keine Lösungen mehr gefunden werden, wenn sich zwischen Eltern und Teenagern harte Fronten gebildet haben. Da sehnt sich jeder danach, “gefüttert” zu werden, vom anderen verstanden zu werden, Wertschätzung zu erfahren und die eigenen Bedürfnisse gestillt zu bekommen. Aber die “Löffel” sind zu lang und der Weg zum Anderen wird nicht mehr gefunden.

Manchmal kann es sehr hilfreich und befreiend sein, sich Hilfe von außen zu holen. Jemand, der ein Streitgespräch moderiert, der den Gegnern hilft, wieder eine gemeinsame Basis zu finden, der beide Seiten ernst nimmt und sie dabei unterstützt, neue Wege zueinander zu finden. Von außen hat man einen anderen Blickwinkel und kann Möglichkeiten erkennen, die man als Betroffene/r nicht wahrnehmen kann.

Wenn man sich noch nicht völlig festgefahren hat, kann auch eine Übung helfen: Jeder darf 10 Minuten oder länger (Zeit vorher genau festlegen) seinen Standpunkt erklären, die eigenen Gedanken, Gefühle, Wünsche, Gründe etwas zu tun/ zu lassen aussprechen. Vorwürfe sind verboten, man spricht stattdessen von sich selbst, also z.B. “ich werde wütend wenn Du das tust, weil ich...” anstatt “Du tust immer...”. Der andere hört genau zu (das ist schwierig aber wertvoll). Danach ist der Andere mit reden dran und der Erste hört zu. Keiner darf den anderen unterbrechen, es gibt in dieser Zeit keine Diskussion oder Streitgespräch.

Anschließend kann man über das, was gesagt wurde und wie es beim Anderen ankam, ins Gespräch kommen oder das Gehörte “sich setzen lassen” und später wieder aufgreifen. Vielleicht ist ja in den Ferien Zeit und Raum, es einmal auszuprobieren!

Im (wirklichen) Himmel wird es keine Konflikte mehr geben. Aber Gott möchte ja, dass seine Kinder sich auch hier auf der Erde das Leben nicht zur Hölle machen. Und wir müssen es nicht selbst schaffen, wir können Gott bitten, dass er uns Wege zueinander öffnet.

Der Himmel ist viel näher, als wir denken! Die Hölle aber auch!

Ihr Pfarrer Popp

Oktober 2021


Jesus Christus spricht:

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Lukas 6,36

Songs zu den Jahreslosungen: http://www.ways-music.de/home/