Angedacht

Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen, www.verlagambirnbach.de
Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen, www.verlagambirnbach.de

Gründe gegen den Glauben gibt es viele. Ein krankes Kind kann so ein Grund sein. Ein Kind, das leidet und dem keiner helfen kann. Der Vater hat schon beinahe die Hoffnung aufgegeben. Nicht einmal die berühmten Freunde von Jesus konnten das Kind heilen. Jetzt kommt Jesus selbst, und der Vater bittet verzweifelt: „Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Jesus antwortet dem Vater: „Du sagst: Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Da schreit der Vater: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Gründe gegen den Glauben gibt es viele. Glauben geschieht gegen den Anschein der Vorherrschaft von Leid, Gewalt und Tod. Glaube ist eine Haltung des Trotzdem. Eine Ausrichtung auf das, was sein könnte und sein sollte, und nicht auf das, was augenscheinlich ist. „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Ein Glaube, der so tut, als gäbe es den Zweifel nicht, ist unehrlich. Er wird der Welt in der wir leben, nicht gerecht. Vor allem aber wird er auch Gott nicht gerecht. Denn Gott ist ein Gott, der sich inkarniert hat. Der selber Mensch geworden ist. Der in der Welt gelebt hat, wie sie ist. Mit ihrem Elend, ihrer Zwiespältigkeit und all den guten Gründen gegen die Hoffnung. Wen die Welt nicht manchmal zum Zweifeln, zum Verzweifeln bringt, dessen Glaube bleibt oberflächlich.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“, so schreit der verzweifelte Vater, und Jesus heilt das Kind. Die Jünger fragen ihn später, warum sie es nicht konnten. Jesus sagt sinngemäß: „Manchmal geht es nur mit Beten.“ Allerdings wird in der ganzen Erzählung nichts darüber gesagt, dass Jesus gebetet habe. Eigentlich kann er nur den Verzweiflungsschrei des Vaters meinen. Manchmal ist das Beten nur ein Ruf: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

aus: Pastoralblätter 1/20


Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Markus 9,24

Songs zu den Jahreslosungen: http://www.ways-music.de/home/