Angedacht: Wohlergehen für wen?

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohl ergeht.

3. Johannesbrief 1,2

 

Unterwegs im Wald sah ein Mann einen Fuchs, der seine Beine verloren hatte. Er wunderte sich, wie das Tier wohl überleben konnte. Dann sah er einen Tiger mit einem gerissenen Wild. Der Tiger hatte sich satt gefressen und überließ dem Fuchs den Rest.

Am nächsten Tag ernährte Gott den Fuchs wiederum mit Hilfe des gleichen Tigers. Der Mann war erstaunt über Gottes große Güte und sagte zu sich: „Auch ich werde mich in einer Ecke ausruhen und dem Herrn voll vertrauen, und er wird mich mit allem Nötigen versorgen.“

Viele Tage brachte er so zu, aber nichts geschah, und der arme Kerl war dem Tode nahe, als er eine Stimme hörte: „Du da auf dem falschen Weg, öffne die Augen vor der Wahrheit! Folge dem Beispiel des Tigers, und nimm dir nicht länger den behinderten Fuchs zum Vorbild.“

Der Mann machte sich auf den Weg.

Auf der Straße traf er ein kleines frierendes Mädchen, zitternd in einem dünnen Kleid, ohne Hoffnung, etwas Warmes zu essen zu bekommen. Er wurde zornig und sagte zu Gott: „Wie kannst du das zulassen? Warum tust du nichts dagegen?“ Eine Zeitlang sagte Gott gar nichts. Aber in der Nacht antwortete er ganz plötzlich: „Ich habe wohl etwas dagegen getan. Ich habe dich geschaffen.“

Nach einem arabischen Mystiker, Mai 2022

Endlich gehört werden

Eine Welt ist zusammengebrochen. Das woran wir festhielten, was uns als selbstverständlich schien, gilt nicht mehr. Angst und Hilflosigkeit.

Sie prägen unsere Gedanken, rauben uns den Schlaf, lassen uns an jedem Bissen würgen.

Was kommt noch, was gilt es noch auszuhalten, und dabei irgendwie weiterzuleben?

Schauen wir auf Maria aus Magdala:

Auch ihre Welt ein Trümmerhaufen; Jesus verhöhnt, geschmäht, ermordet am Kreuz.

Doch am Ostermorgen:

 

Da steht jemand, ein Fremder und wendet sich Maria zu; fragt nach dem Grund ihres trüben Blicks, nach dem Grund ihrer Verzweiflung in den Augen.

Sie weiß nicht, wer da vor ihr steht, und doch die Nachfrage des Fremden öffnet ihr Herz, und sie klagt ihm das, was sie im Innersten bewegt. Ehrlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

 

Der Fremde gibt sich zu erkennen, ein Wort „Maria“ genügt, damit sie begreift, wer da vor ihr steht, wem sie gerade schonungslos ihr Herz geöffnet hat.

Maria von Magdala erkennt den auferstanden Christus, und alles verändert sich für sie.

Sie will ihn festhalten, doch das wird ihr verwehrt. Sie soll jedoch den Jüngern von dem, was sie erlebt und erfahren hat, erzählen.

Das tut sie.

 

Und heute:

Gott, stehe hinter uns, wende dich uns zu, frage nach unserer Not, lass uns dir unser Innerstes öffnen, nenne du uns beim Namen, persönlich, ganz direkt, damit wir dich als den Auferstandenen erkennen, und verändere alles.

Wir wissen, wir können dich nicht festhalten, aber wir wollen wie Maria von dir erzählen.

 

Gott lasse du aus unserem Karfreitag dein Ostern werden.

 

Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündigte ihnen: „Ich habe den Herrn gesehen.“ Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte. Johannes 20, 18

Ihre Pfarrerin Heineken, April 2022

Eine kleine Anleitung zum Beten!?

Der Monatsspruch März: Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen. (Epheser 6, 18)

Das Gebet hat’s nicht leicht.

Von der Kölner Rockgruppe BAP gibt es ein Lied zu diesem Thema, das heißt: „Ja, wenn das Beten sich lohnen würde, was meinst du wohl, was ich dann beten würde.“ Was würden Sie beten? Wie würden Sie beten? Da wäre es nicht schlecht, eine Hilfe zum Beten zu haben. So eine Art Gebrauchsanweisung. Der Monatsspruch für März ist eine solche Hilfe zum Beten: Ganz schlicht zählt der Briefschreiber die Bausteine auf, aus denen ein gutes Gebet bestehen kann: Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.

„Hört nicht auf, sondern harrt aus.“

Das ist der erste Baustein: Beharrlichkeit. Das ist kein bisschen anders als beim Sport oder beim Abnehmen, oder beim Vokabeln- Lernen: beharrlich sein. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Nicht einmal in der Woche sich eine Stunde im Sportstudio schinden. Nicht einen Tag in der Woche gar nichts essen. Nicht einen Abend vor der Klassenarbeit die Vokabeln in den Kopf hauen. Hauruck-Verfahren taugen nichts.

Das Einzige, was wirklich Erfolg bringt, ist Beharrlichkeit. Beim Sport. Beim Abnehmen. Beim Vokabeln-Lernen. Und genauso auch beim Beten. Immer wieder. Das macht eine Sache vertraut. Man gewöhnt sich daran und findet darin Ruhe, Geborgenheit und Übung. Und in der Not müssen wir den Weg zu Gott dann gar nicht mehr verzweifelt suchen, sondern wir kennen ihn schon. Er ist uns vertraut von den Tagen, an denen es uns gut ging.

„Seid wachsam!“

Das ist unser zweiter Baustein: das Wachsam-Sein. Bevor wir beten, müssen wir uns erst einmal umsehen und wahrnehmen, was um uns herum geschieht. Ich bete ja nicht nur für mich selbst und um mein eigenes Glück und Wohlergehen, sondern auch für das Wohlergehen anderer. Um den Frieden in der Welt. Um die Bewahrung der Schöpfung. Um Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich. Um das Ende der Coronakrise und Gesundheit für alle. Um das Abwenden von gefährlichen wirtschaftlichen und politischen Folgen.

Durch das Beten bekommen wir einen neuen, wachsamen Blick auf das, was um uns herum geschieht. Wir schauen nicht weg, sondern hin.

Betende Menschen sagen nicht zu allem Ja und Amen, sondern sind wachsam-kritisch. Ein kluger Kopf sagte einmal:

„Wie wir beten sollen, steht in der Bibel, was wir beten sollen, steht in der Zeitung.“ „... und bittet für alle Heiligen.“

Diese Wachsamkeit hat ein ganz konkretes Beten zur Folge: Wer über den eigenen Tellerrand hinausschaut, der sieht, dass es viele Menschen gibt, die ganz dringend Gottes Hilfe brauchen. Viele Menschen brauchen einfach mehr Mut und mehr Kraft. Mehr Lebensfreude und mehr Hoffnung. Mehr Schutz und mehr Liebe. Da vermag unser Gebet so viel!

An dem Wort „für alle Heiligen“ müssen wir uns nicht stoßen. Damit sind nicht die Heilig-Gesprochenen aus der katholischen Lehre gemeint – die gab es zur Zeit des Epheserbriefes noch gar nicht –, sondern mit „Heiligen“ sind all diejenigen gemeint, die glauben, also alle Christen und heutzutage jede und jeder, der sich in Not befindet.

Beten ist viel mehr als sich von Gott etwas wünschen und dann hoffen, dass er es erfüllt. Wir alle wissen, dass nicht alle Bitten in Erfüllung gehen. Beten ist eine Lebenseinstellung, die uns wach und froh und hoffnungsvoll macht. Denn wir legen alles das, was uns umtreibt, in Gottes liebevolle Hände. Und wir können uns sicher sein: Gott wird Gutes daraus machen.

nach Dorothea Zager, März 2022

Ob auch ein Baum zornig sein kann?
Ob auch ein Baum zornig sein kann?

Auch der Zorn hat ein Maß

Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Epheser 4,26

„Kann das sein? - Hat sie das wirklich zu mir gesagt? Hat sie mir meine Vorsicht als Vorwurf entgegengeschleudert?“ Vollkommen vor den Kopf gestoßen und irritiert atme ich tief ein und versuche, die Situation mit

einer Erklärung zu retten. Jedoch geht der Schuss völlig in die verkehrte Richtung und wir verstricken uns in eine Auseinandersetzung, die nicht mehr zu retten ist.

Beide verlassen wir mit einer Zornesröte das Feld. Lautes Durcheinanderrufen

in einer Besprechung. Der Moderator versucht die Teilnehmer erst zum Schweigen und dann zum Fortfahren zu bewegen. Es folgt eine Blockade. Einige Teilnehmer sind ausgestiegen und

arbeiten nicht mehr mit. Jetzt müssen alle unter den persönlichen Defiziten dieser Wenigen leiden. Der Moderator fühlt Zorn aufsteigen und bricht die Besprechung mit einem unzufriedenen Ergebnis ab und vertagt sie.

Jeder von uns hat schon solche oder ähnliche Situationen im Leben erfahren. Und gerade in der heutigen Zeit sehe ich, dass Kommunikationen in sozialen Netzwerken ganz schnell zu Zorn- und Wutgefühlen führen, die plötzlich wie aus dem Nichts entstehen und sich tief in die Seele eingraben.

Paulus schrieb an die Epheser: Versündigt euch nicht, wenn ihr in Zorn geratet! Versöhnt euch wieder und lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Epheser 4,26

Und er meint damit, dass es wichtig ist, sich noch vor dem Schlafengehen mit der betreffenden Person zu versöhnen. Innerhalb der Familie mag es möglich sein, oft genügt ein Gespräch am gemeinsamen Essentisch, um wieder Klarheit und Frieden zu schaffen.

Für ein Aussprechen unter guten Freunden bedarf es einer schon zuvor mit Herzlichkeit aufgebauten Beziehung - und Zeit. Aber an außenstehende Menschen kommt man oft gar nicht mehr heran und jede weitere, nicht persönliche Kommunikation würde das Gegenteil bewirken.

Was mache ich also mit meinem Zorn? Um ihn nicht mit in die Nacht hineinzunehmen, spreche ich mit Gott. Ich klage über meinen Ärger, erzähle über meinen Zorn und bete dafür, dass ich dem Anderen vergeben kann, so wie auch Christus uns vergeben hat. Dies wirkt wie eine Versöhnung und es reinigt meine Seele und ich kann in Frieden einschlafen.

Jutta Fraaß, Feb. 2022

Angedacht - 2022

Bleib du selbst

Ehrlich währt am längsten!

Das hatten ihn seine Eltern gelehrt.

Nun hatte er es versucht. In der Grundschule. Als seine Lehrerin die Klasse fragte: „Was ist euer Lieblingstier?“, meldete sich Benno und sagte aus tiefstem Herzen: „Brathähnchen!“

Alle lachten. Nur die Lehrerin nicht. Die fand das gar nicht komisch. Am nächsten Tag war sie auf der Hut. Sie stellte die Frage anders: „Welche lebenden Tiere mögt ihr am liebsten?“

Darauf antwortete Benno: „Hühner!“ Als die Lehrerin ihn nach dem Grund fragte, bekannte er: „Weil man aus ihnen Brathähnchen machen kann!“ Daraufhin schickte sie ihn zum Schulleiter. Der hörte sich die Sache an, musste sich aber auf die Zunge beißen, um nicht laut loszulachen. Er beließ es bei einer Ermahnung. In der nächsten Woche fragte die Lehrerin:

„Welche bekannte Persönlichkeit bewundert ihr am meisten?“ Benno blieb seiner Überzeugung treu und sagte:

„Harland Sanders. Er hat ,Kentucky Fried Chicken ́ gegründet.“ (Fast-Food-Kette, spezialisiert auf frittierte Hähnchen). Die Lehrerin schaute ihn mit ärgerlicher Miene an und gab ihm eine Sonderhausaufgabe auf.

Wir merken: Manche Antworten sind nicht erwünscht.

Oft müssen wir im Alltag genau abwägen, was wir sagen und wie wir es sagen, damit es keine Ströungen oder keinen Streit gibt. Grundsätzlich ist das gut so, wenn es nicht dazu führt, dass wir uns nichts mehr zu sagen trauen, da es Ärger geben könnte. Andererseits führt es auch dazu, dass man immer weniger sagt oder nicht das sagt, was man eigentlich sagen möchte.

Die Frau auf dem Bild hat eine offene Haltung. Die Arme sind ausgebreitet, der Blick geht in den Himmel. Sie macht sich verletzlich mit dieser Haltung, doch Gott gegenüber traut sie sich diese Haltung zu. Ob sie auch offene Arme sieht?

Eines scheint klar zu sein: Bei Jesus muss sich niemand verbiegen. Egal wie er oder sie auch kräht.

Jesus wird kein Hühnchen mit uns rupfen.

In diesem Sinne ein gesegnetes neues Jahr 2022

Ihr Pfarrer Popp, Januar 2022