Ausdruck und Eindruck

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit - Jesus Sirach 1,10

Gott lieben ist weise. Dagegen lässt sich erst einmal nichts sagen. Doch es lässt sich fragen, was denn daran wirklich weise ist? Es verändert meinen Blick auf die Welt und auf die Menschen. Ich liebe Gott, weil ich weiß, dass ich von ihm geliebt werde, wie jeder Mensch von ihm geliebt wird. Mit dieser Freude kann ich durchs Leben gehen und das hat Folgen. Dies beschreibt eine Geschichte:

Es gab in Indien einen Tempel mit tausend Spiegeln. Er lag hoch oben auf einem Berg, und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages kam ein Hund in diesen Tempel. Als er in den Saal der tausend Spiegel kam, sah er tausend Hunde. Er bekam Angst, sträubte das Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und tausend Hunde sträubten das Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine, knurrten furchtbar und fletschten die Zähne. Voller Panik rannte der Hund davon und glaubte von nun an, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden bestehe.

Einige Zeit später kam ein anderer Hund. Auch er betrat den Tempel. Als er in den Saal kam, sah auch er tausend andere Hunde. Er aber freute sich. Er wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf. Und er sah tausend Hunde, die ihm schwanzwedelnd entgegen sprangen. Dieser Hund verließ den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden besteht, die ihm wohl gesonnen sind.

Ihr Pfarrer Popp, August/September 2022

Vom König, der Gott sehen wollte

In einem fernen Lande lebte einst ein König, den am Ende seines Lebens Schwermut befallen hatte. Er hatte die ganze Welt gesehen und nun wünschte er sich, auch noch Gott kennen zu lernen. Also befahl er seinen Ministern, ihm Gott zu zeigen. Schwerste Strafen drohte er ihnen an, wenn sie das nicht vermochten. Der König stellte eine Frist von drei Tagen.

Da wurden alle im Palast traurig und erwarteten ihr Ende, denn niemand wusste, weder am ersten noch am dritten Tag, wie sie ihrem König Gott zeigen könnten. Als sie verzweifelt beieinander standen, kam ein Hirte vom Feld, der des Königs Befehl vernommen hatte. Er sprach zum König: „Gestatte mir, König, dass ich deinen Wunsch erfülle und dir Gott zeige.“ „Gut“, entgegnete der König, „aber bedenke, es geht um deinen Kopf!“

Der Hirte führte den König auf einen freien Platz und zeigte ihm die Sonne. „Sieh in die Sonne“, sagte er. Der König hob seine Augen und wollte hineinsehen. „Ich werde ja ganz geblendet, willst du mich umbringen?“, fragte der König. „Aber König“, sagte der Hirte, „das ist doch nur ein kleines Ding der Schöpfung, wie ein kleiner Funke eines großen Feuers. Gott ist noch viel größer. Wie willst du mit deinen schwachen Augen Gott sehen? Suche ihn mit anderen Augen!“

Das gefiel dem König. Er fragte den Hirten: „Was war vor Gott?“

Der Hirte dachte nach und sagte dann: „Fang an zu zählen!“ Der König begann: „Eins, zwei, drei....“ „Nein, nein“, unterbrach ihn der Hirte, „nicht so. Fange mit dem an, was vor eins kommt!“ „Wie kann ich das denn? Vor ‚eins’ gibt es doch nichts.“ – „Sehr klug gesprochen“, sagte der Hirte. Auch vor Gott gibt es nichts.“

Diese Antwort gefiel dem König noch besser. „Ich werde dich reich beschenken, wenn du mir noch eine dritte Frage beantworten kannst: Was macht Gott?“

Der Hirte spürte, dass das Herz des Königs weich geworden war. „Gut“, sagte er, „auch darauf will ich dir antworten. Nur um eins bitte ich dich: Lass uns für eine kurze Zeit die Kleider tauschen.“ Der König legte die Zeichen seiner Königswürde ab und kleidete damit den Hirten. Er selbst zog dessen schäbige und schmutzige Kleider an und hängte sich die Hirtentasche um. Der Hirte setzte sich auf den Thron, nahm das Zepter und zeigte damit auf die Stufen des Throns. Dort stand der König mit seiner Hirtentasche. „Siehst du, das macht Gott! In Jesus Christus wurde der große Gott selbst ein Mensch. Er stieg von seinem Thron herab und kam als kleines Kind in einem Stall zur Welt. Ja, er nahm für uns sogar den Tod auf sich, den Verbrechertod am Kreuz.“ Der Hirte zog wieder seine eigene Kleidung an. Der König aber stand ganz versonnen da. Die letzten Worte des Hirten brannten in seiner Seele.

Plötzlich aber sagte er unter dem sichtbaren Zeichen der Freude: „Jetzt sehe ich Gott.“

Nach Leo Tolstoi, Juli 2022

Wie stark ist die Liebe?

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.

(Hoheslied 8,6)

Dieser Vers findet sich im Hohelied Salomos, einer Sammlung von teilweise sehr erotischen Liebesliedern.

Es besingt die Liebe zwischen Menschen, als auch übertragen gesehen, die Liebe zwischen Gott und uns Menschen. Ein Umstand warum dieses Buch überhaupt im Alten Testament zu finden ist. Diese Liebe sollte unverbrüchlich sein. Klar fürs Herz aber auch klar für alles Tun.

Frisch Verliebte erleben das oft. Die Sehnsucht nach einander. Der Wunsch möglichst immer und zu jeder Zeit zusammen zu sein. Das Herz ist voll, die Schmetterlinge im Bauch sind aktiv.

Ja, manche entwickeln zueinander ein so starkes Band, dass sie spüren, wie es dem/der anderen geht, auch wenn sie sich an verschiedenen Orten befinden. Die Gedanken kreisen ständig um einander.

Wie ein Siegel, unverbrüchlich und stark, sind Verliebte untereinander aufs Herz gelegt.

Und muss eine Entscheidung getroffen werden, steht das Wohl des Anderen im Zentrum. Unverbrüchlich steht man füreinander ein und macht dies auch seiner Umwelt gegenüber klar. Wir gehören zusammen.

Nie käme es einem der Beiden in den Sinn, gegen den anderen zu agieren. Denn das Siegel auf dem Herzen beeinflusst und bestimmt auch das Handeln. Lege mich wie ein Siegel auf deinen Arm.

Und wenn wir dies jetzt aus der Warte der Liebe Gottes zu uns Menschen denken?

Wir sind Gott wie ein Siegel auf sein Herz gelegt und umgekehrt.

Gott sehnt sich nach uns Menschen, er will mit uns verbunden sein. Er leidet mit uns, wenn wir leiden, freut sich mit uns, wenn wir uns freuen.

Und wir? Sehnen wir uns nach Gott, wollen wir mit ihm verbunden sein tagtäglich und immer? Ist uns wichtig, was

Gott fühlt?

Wollen wir Gott wie ein Siegel auf unsere Herzen gelegt haben, unverbrüchlich stark?

Wir sind Gott wie ein Siegel auf seinen Arm gelegt und umgekehrt. Gott steht zu uns. Nie würde ihm einfallen, gegen uns zu agieren oder uns zu schaden.

Und wir? Was ist uns wichtig? Wollen wir, dass Gottes Wille in dieser Welt Gehör findet und umgesetzt wird, so gut es auf dieser Erde halt geht?

Wollen wir, dass dieses Siegel Gottes unseren Arm und damit unser Tun leitet, unverbrüchlich und stark?

Ich denke, darüber lohnt es sich jeden Tag wieder neu nachzudenken.

Ich wünsche uns, dass wir Kraft schöpfen können daraus, dass wir wie ein Siegel auf Gottes Herz und Arm gelegt sind und so Gottes Siegel auf unserem Herzen und unserem Arm als Hilfe für unseren Lebensweg verstehen können.

Ihre Pfarrerin Almut Heineken, Juni 2022

Angedacht: Wohlergehen für wen?

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohl ergeht.

3. Johannesbrief 1,2

 

Unterwegs im Wald sah ein Mann einen Fuchs, der seine Beine verloren hatte. Er wunderte sich, wie das Tier wohl überleben konnte. Dann sah er einen Tiger mit einem gerissenen Wild. Der Tiger hatte sich satt gefressen und überließ dem Fuchs den Rest.

Am nächsten Tag ernährte Gott den Fuchs wiederum mit Hilfe des gleichen Tigers. Der Mann war erstaunt über Gottes große Güte und sagte zu sich: „Auch ich werde mich in einer Ecke ausruhen und dem Herrn voll vertrauen, und er wird mich mit allem Nötigen versorgen.“

Viele Tage brachte er so zu, aber nichts geschah, und der arme Kerl war dem Tode nahe, als er eine Stimme hörte: „Du da auf dem falschen Weg, öffne die Augen vor der Wahrheit! Folge dem Beispiel des Tigers, und nimm dir nicht länger den behinderten Fuchs zum Vorbild.“

Der Mann machte sich auf den Weg.

Auf der Straße traf er ein kleines frierendes Mädchen, zitternd in einem dünnen Kleid, ohne Hoffnung, etwas Warmes zu essen zu bekommen. Er wurde zornig und sagte zu Gott: „Wie kannst du das zulassen? Warum tust du nichts dagegen?“ Eine Zeitlang sagte Gott gar nichts. Aber in der Nacht antwortete er ganz plötzlich: „Ich habe wohl etwas dagegen getan. Ich habe dich geschaffen.“

Nach einem arabischen Mystiker, Mai 2022

Endlich gehört werden

Eine Welt ist zusammengebrochen. Das woran wir festhielten, was uns als selbstverständlich schien, gilt nicht mehr. Angst und Hilflosigkeit.

Sie prägen unsere Gedanken, rauben uns den Schlaf, lassen uns an jedem Bissen würgen.

Was kommt noch, was gilt es noch auszuhalten, und dabei irgendwie weiterzuleben?

Schauen wir auf Maria aus Magdala:

Auch ihre Welt ein Trümmerhaufen; Jesus verhöhnt, geschmäht, ermordet am Kreuz.

Doch am Ostermorgen:

 

Da steht jemand, ein Fremder und wendet sich Maria zu; fragt nach dem Grund ihres trüben Blicks, nach dem Grund ihrer Verzweiflung in den Augen.

Sie weiß nicht, wer da vor ihr steht, und doch die Nachfrage des Fremden öffnet ihr Herz, und sie klagt ihm das, was sie im Innersten bewegt. Ehrlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

 

Der Fremde gibt sich zu erkennen, ein Wort „Maria“ genügt, damit sie begreift, wer da vor ihr steht, wem sie gerade schonungslos ihr Herz geöffnet hat.

Maria von Magdala erkennt den auferstanden Christus, und alles verändert sich für sie.

Sie will ihn festhalten, doch das wird ihr verwehrt. Sie soll jedoch den Jüngern von dem, was sie erlebt und erfahren hat, erzählen.

Das tut sie.

 

Und heute:

Gott, stehe hinter uns, wende dich uns zu, frage nach unserer Not, lass uns dir unser Innerstes öffnen, nenne du uns beim Namen, persönlich, ganz direkt, damit wir dich als den Auferstandenen erkennen, und verändere alles.

Wir wissen, wir können dich nicht festhalten, aber wir wollen wie Maria von dir erzählen.

 

Gott lasse du aus unserem Karfreitag dein Ostern werden.

 

Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündigte ihnen: „Ich habe den Herrn gesehen.“ Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte. Johannes 20, 18

Ihre Pfarrerin Heineken, April 2022

Eine kleine Anleitung zum Beten!?

Der Monatsspruch März: Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen. (Epheser 6, 18)

Das Gebet hat’s nicht leicht.

Von der Kölner Rockgruppe BAP gibt es ein Lied zu diesem Thema, das heißt: „Ja, wenn das Beten sich lohnen würde, was meinst du wohl, was ich dann beten würde.“ Was würden Sie beten? Wie würden Sie beten? Da wäre es nicht schlecht, eine Hilfe zum Beten zu haben. So eine Art Gebrauchsanweisung. Der Monatsspruch für März ist eine solche Hilfe zum Beten: Ganz schlicht zählt der Briefschreiber die Bausteine auf, aus denen ein gutes Gebet bestehen kann: Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.

„Hört nicht auf, sondern harrt aus.“

Das ist der erste Baustein: Beharrlichkeit. Das ist kein bisschen anders als beim Sport oder beim Abnehmen, oder beim Vokabeln- Lernen: beharrlich sein. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Nicht einmal in der Woche sich eine Stunde im Sportstudio schinden. Nicht einen Tag in der Woche gar nichts essen. Nicht einen Abend vor der Klassenarbeit die Vokabeln in den Kopf hauen. Hauruck-Verfahren taugen nichts.

Das Einzige, was wirklich Erfolg bringt, ist Beharrlichkeit. Beim Sport. Beim Abnehmen. Beim Vokabeln-Lernen. Und genauso auch beim Beten. Immer wieder. Das macht eine Sache vertraut. Man gewöhnt sich daran und findet darin Ruhe, Geborgenheit und Übung. Und in der Not müssen wir den Weg zu Gott dann gar nicht mehr verzweifelt suchen, sondern wir kennen ihn schon. Er ist uns vertraut von den Tagen, an denen es uns gut ging.

„Seid wachsam!“

Das ist unser zweiter Baustein: das Wachsam-Sein. Bevor wir beten, müssen wir uns erst einmal umsehen und wahrnehmen, was um uns herum geschieht. Ich bete ja nicht nur für mich selbst und um mein eigenes Glück und Wohlergehen, sondern auch für das Wohlergehen anderer. Um den Frieden in der Welt. Um die Bewahrung der Schöpfung. Um Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich. Um das Ende der Coronakrise und Gesundheit für alle. Um das Abwenden von gefährlichen wirtschaftlichen und politischen Folgen.

Durch das Beten bekommen wir einen neuen, wachsamen Blick auf das, was um uns herum geschieht. Wir schauen nicht weg, sondern hin.

Betende Menschen sagen nicht zu allem Ja und Amen, sondern sind wachsam-kritisch. Ein kluger Kopf sagte einmal:

„Wie wir beten sollen, steht in der Bibel, was wir beten sollen, steht in der Zeitung.“ „... und bittet für alle Heiligen.“

Diese Wachsamkeit hat ein ganz konkretes Beten zur Folge: Wer über den eigenen Tellerrand hinausschaut, der sieht, dass es viele Menschen gibt, die ganz dringend Gottes Hilfe brauchen. Viele Menschen brauchen einfach mehr Mut und mehr Kraft. Mehr Lebensfreude und mehr Hoffnung. Mehr Schutz und mehr Liebe. Da vermag unser Gebet so viel!

An dem Wort „für alle Heiligen“ müssen wir uns nicht stoßen. Damit sind nicht die Heilig-Gesprochenen aus der katholischen Lehre gemeint – die gab es zur Zeit des Epheserbriefes noch gar nicht –, sondern mit „Heiligen“ sind all diejenigen gemeint, die glauben, also alle Christen und heutzutage jede und jeder, der sich in Not befindet.

Beten ist viel mehr als sich von Gott etwas wünschen und dann hoffen, dass er es erfüllt. Wir alle wissen, dass nicht alle Bitten in Erfüllung gehen. Beten ist eine Lebenseinstellung, die uns wach und froh und hoffnungsvoll macht. Denn wir legen alles das, was uns umtreibt, in Gottes liebevolle Hände. Und wir können uns sicher sein: Gott wird Gutes daraus machen.

nach Dorothea Zager, März 2022

Ob auch ein Baum zornig sein kann?
Ob auch ein Baum zornig sein kann?

Auch der Zorn hat ein Maß

Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Epheser 4,26

„Kann das sein? - Hat sie das wirklich zu mir gesagt? Hat sie mir meine Vorsicht als Vorwurf entgegengeschleudert?“ Vollkommen vor den Kopf gestoßen und irritiert atme ich tief ein und versuche, die Situation mit

einer Erklärung zu retten. Jedoch geht der Schuss völlig in die verkehrte Richtung und wir verstricken uns in eine Auseinandersetzung, die nicht mehr zu retten ist.

Beide verlassen wir mit einer Zornesröte das Feld. Lautes Durcheinanderrufen

in einer Besprechung. Der Moderator versucht die Teilnehmer erst zum Schweigen und dann zum Fortfahren zu bewegen. Es folgt eine Blockade. Einige Teilnehmer sind ausgestiegen und

arbeiten nicht mehr mit. Jetzt müssen alle unter den persönlichen Defiziten dieser Wenigen leiden. Der Moderator fühlt Zorn aufsteigen und bricht die Besprechung mit einem unzufriedenen Ergebnis ab und vertagt sie.

Jeder von uns hat schon solche oder ähnliche Situationen im Leben erfahren. Und gerade in der heutigen Zeit sehe ich, dass Kommunikationen in sozialen Netzwerken ganz schnell zu Zorn- und Wutgefühlen führen, die plötzlich wie aus dem Nichts entstehen und sich tief in die Seele eingraben.

Paulus schrieb an die Epheser: Versündigt euch nicht, wenn ihr in Zorn geratet! Versöhnt euch wieder und lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Epheser 4,26

Und er meint damit, dass es wichtig ist, sich noch vor dem Schlafengehen mit der betreffenden Person zu versöhnen. Innerhalb der Familie mag es möglich sein, oft genügt ein Gespräch am gemeinsamen Essentisch, um wieder Klarheit und Frieden zu schaffen.

Für ein Aussprechen unter guten Freunden bedarf es einer schon zuvor mit Herzlichkeit aufgebauten Beziehung - und Zeit. Aber an außenstehende Menschen kommt man oft gar nicht mehr heran und jede weitere, nicht persönliche Kommunikation würde das Gegenteil bewirken.

Was mache ich also mit meinem Zorn? Um ihn nicht mit in die Nacht hineinzunehmen, spreche ich mit Gott. Ich klage über meinen Ärger, erzähle über meinen Zorn und bete dafür, dass ich dem Anderen vergeben kann, so wie auch Christus uns vergeben hat. Dies wirkt wie eine Versöhnung und es reinigt meine Seele und ich kann in Frieden einschlafen.

Jutta Fraaß, Feb. 2022

Angedacht - 2022

Bleib du selbst

Ehrlich währt am längsten!

Das hatten ihn seine Eltern gelehrt.

Nun hatte er es versucht. In der Grundschule. Als seine Lehrerin die Klasse fragte: „Was ist euer Lieblingstier?“, meldete sich Benno und sagte aus tiefstem Herzen: „Brathähnchen!“

Alle lachten. Nur die Lehrerin nicht. Die fand das gar nicht komisch. Am nächsten Tag war sie auf der Hut. Sie stellte die Frage anders: „Welche lebenden Tiere mögt ihr am liebsten?“

Darauf antwortete Benno: „Hühner!“ Als die Lehrerin ihn nach dem Grund fragte, bekannte er: „Weil man aus ihnen Brathähnchen machen kann!“ Daraufhin schickte sie ihn zum Schulleiter. Der hörte sich die Sache an, musste sich aber auf die Zunge beißen, um nicht laut loszulachen. Er beließ es bei einer Ermahnung. In der nächsten Woche fragte die Lehrerin:

„Welche bekannte Persönlichkeit bewundert ihr am meisten?“ Benno blieb seiner Überzeugung treu und sagte:

„Harland Sanders. Er hat ,Kentucky Fried Chicken ́ gegründet.“ (Fast-Food-Kette, spezialisiert auf frittierte Hähnchen). Die Lehrerin schaute ihn mit ärgerlicher Miene an und gab ihm eine Sonderhausaufgabe auf.

Wir merken: Manche Antworten sind nicht erwünscht.

Oft müssen wir im Alltag genau abwägen, was wir sagen und wie wir es sagen, damit es keine Ströungen oder keinen Streit gibt. Grundsätzlich ist das gut so, wenn es nicht dazu führt, dass wir uns nichts mehr zu sagen trauen, da es Ärger geben könnte. Andererseits führt es auch dazu, dass man immer weniger sagt oder nicht das sagt, was man eigentlich sagen möchte.

Die Frau auf dem Bild hat eine offene Haltung. Die Arme sind ausgebreitet, der Blick geht in den Himmel. Sie macht sich verletzlich mit dieser Haltung, doch Gott gegenüber traut sie sich diese Haltung zu. Ob sie auch offene Arme sieht?

Eines scheint klar zu sein: Bei Jesus muss sich niemand verbiegen. Egal wie er oder sie auch kräht.

Jesus wird kein Hühnchen mit uns rupfen.

In diesem Sinne ein gesegnetes neues Jahr 2022

Ihr Pfarrer Popp, Januar 2022